Anfang dieses Sommers hatte ich die Gelegenheit, zwei Bushaltestellen in Müssingen zu gestalten — dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin. Ein kleiner Ort in Nordrhein-Westfalen, und tatsächlich meine ersten öffentlichen Arbeiten dort. Entsprechend besonders war es, an einem so sichtbaren Ort etwas Eigenes zu hinterlassen.

Beide Haltestellen hatten ihre besten Zeiten längst hinter sich: alte Tags, abgeplatzte Farbe und insgesamt ein ziemlich heruntergekommener Eindruck. Das Ziel war simpel — daraus wieder Orte zu machen, die man sich gerne anschaut.

So entstand das Projekt über sieben Maltage, einen Vorbereitungsabend und einen letzten halben Tag zum Versiegeln der Arbeiten.

Das Video zu diesem Projekt kannst du hier ansehen:

 

Der Start — mit ein bisschen Unterstützung

Los ging’s mit Hilfe des örtlichen Heimatvereins. An einem Abend haben wir uns getroffen, um beide Bushaltestellen zu reinigen und zu grundieren. Vier Leute waren dabei und haben richtig mit angepackt — Wände geschrubbt, Grundierung gerollt und sogar eine der Sitzbänke ausgebaut.

Jemand aus dem Team hat die Bank mit nach Hause genommen, um sie abzuschleifen und neu zu streichen — ein ziemlich schönes Extra. Nach gerade einmal zwei Stunden war alles bereit fürs Malen.

 


Bushaltestelle 1: Radfahrer auf dem Europa-Radweg R1

Das erste Mural ist eine Hommage an den Europa-Radweg R1, einen Fernradweg, der direkt durch das Dorf führt. Die Idee war eine ruhige, natürliche Szene mit hohem Gras, dichten Bäumen und zwei Radfahrern als zentrales Motiv.

Das Wetter spielte zum Glück mit — sonnig und warm, ein perfekter Start. Ich legte zunächst den Hintergrund an, plante die Komposition und baute die grünen Grundflächen auf. Nebenbei machte ich viele Fotos, die später als Grundlage für diese Case Study dienten.

An einem Tag setzte plötzlich starker Regen ein. Obwohl die Haltestelle überdacht ist, kam der Regen seitlich herein und alles wurde nass. Trotzdem konnte ich gute Fortschritte machen, besonders bei Baum-, Gras- und Blattdetails.

Dabei habe ich zum ersten Mal die Night Quill Cap getestet — und sie war extrem hilfreich. Damit ließen sich viele kleine, einzelne Sprühstriche setzen, ideal für das Schichten von Blättern und Grasstrukturen.

Nach einer kurzen Pause (dank Feiertag) kam ich zurück, malte die beiden Radfahrer, gab dem Grün mehr Tiefe und verband schließlich alle Elemente miteinander. Zum Abschluss platzierte ich einen QR-Code und mein Logo an der Wand, sodass Wartende jetzt direkt meine Website aufrufen oder mehr von meiner Arbeit sehen können.

 

 

Bushaltestelle 2: Ruhiges Wasser auf der Ems

Für die zweite Haltestelle direkt auf der gegenüberliegenden Straßenseite blieb ich bei einer ähnlichen Stimmung — sattes Grün, frühes Morgenlicht und dieses ruhige Gefühl, draußen in der Natur zu sein. Diesmal stand jedoch die Ems im Mittelpunkt, die ganz in der Nähe vorbeifließt.

Da die Bäume in dieser Szene direkt am Wasser stehen, habe ich die Grüntöne noch stärker ausgearbeitet — satter und intensiver, um die feuchtere Atmosphäre spürbar zu machen. Wie beim ersten Mural ist es ein Sonnenaufgangsmoment, vielleicht sogar noch etwas früher. Die Ruhe zeigt sich hier durch ein Kanu, das langsam über das Wasser gleitet.

Der Fortschritt kam in Etappen. Am ersten Tag entstand etwa die Hälfte, in den folgenden Tagen habe ich das Bild Stück für Stück weiter aufgebaut. Wie so oft kam zwischendurch ein kleines Motivationstief — wenig Energie, alles hinterfragen — aber ich habe mich durchgearbeitet.

Das letzte große Element war die Person im Kanu. Danach folgten weitere Details im Wasser und Vordergrund sowie ein finaler Gesamt-Check. Den QR-Code platzierte ich oben links, mein Logo unten rechts — bewusst anders als bei der ersten Haltestelle, einfach für etwas Abwechslung.

 

Finale Schritte (genau rechtzeitig)

Nachdem beide Murals fertiggestellt waren, ging es an die Versiegelung mit einem 2K-Klarlack, der gleichzeitig als Anti-Graffiti-Beschichtung dient. Das bedeutet: Falls die Bushaltestellen irgendwann wieder getaggt werden sollten, lässt sich die Farbe entfernen, ohne das Kunstwerk darunter zu beschädigen.

Zum Glück hielt das Wetter gerade lange genug durch. Zwei Lackschichten, mit einigen Stunden Abstand aufgetragen — und alles war versiegelt, bevor am selben Abend der Regen einsetzte.

Einer der schönsten Teile des ganzen Projekts? Die Gespräche. Viele Leute aus dem Dorf sind stehen geblieben, haben Fragen gestellt, Feedback gegeben oder einfach neugierig zugeschaut. Man hat gemerkt, dass sich viele wirklich darüber gefreut haben, etwas Positives im Ort entstehen zu sehen.

Für mich persönlich hatte es außerdem eine besondere Bedeutung, ausgerechnet in meiner Heimat etwas zu gestalten — an einem Ort, an dem ich einen großen Teil meiner Kindheit verbracht habe. Es sind meine ersten öffentlichen Murals in Müssingen, die die Menschen dort jetzt täglich sehen, und genau das macht das Projekt für mich besonders.

(Gruppenfoto: Markus Bußmann)